Ernst S.

Ich möchte Euch Ernst S. vorstellen. Er ist eigentlich Kopf 4 in dieser Reihe und wie das Leben spielt, ist sein Profil als erstes vollständig fertig geworden.

Kopf 2 ist noch in der Gießerei, Kopf 3 hat noch nicht alle Fragen beantwortet und – nicht zuletzt – sollte ich selbst als Kopf 1 wohl auch noch meinen eigenen Fragenkatalog beantworten. Der Fairness halber.

Daher macht Ernst heute den Anfang, in der Vorstellung der vollendeten Köpfe … So … nun ist es aber soweit. Premiere. Showtime!

Dies ist das Bild des fertigen Bronze Kopfes im dreiviertel Profil. Ich werde an dieser Stelle noch weitere Abbildungen einfügen, sobald ich sie vom Fotografen erhalten habe. Der Fotograf ist Christoph Hellhake, ein echter Profi. Er versteht es noch, seine Bilder Stück für Stück aufzubauen, bis alle Details perfekt zeigen, was zu zeigen ist. Vielen Dank, lieber Christoph, für Deine wertvolle und wunderbare Arbeit. Wenn Ihr mehr von ihm sehen wollt, hier bitte …

Doch lassen wir Ernst selbst zu Wort kommen. Er hat für uns meinen „Feuilleton-Fragebogen“ beantwortet und ein paar biographische Daten veröffentlicht, die ihr untenstehend nachlesen könnt.

Der klassische Fragebogen der Pariser Salons war eine Herausforderung für Geist und Witz. Heute beantwortet Ernst S. meinen Fragebogen, der ein bisschen anders ist. Nicht so harmlos wie der Fragebogen der Salons und nicht so hintersinnig böse, wie diejenigen von Max Frisch. Et Voilà:

1)    Was hat Sie bewogen sich portraitieren zu lassen?
Fand ich sehr interessant.
2)    Wie haben Sie sich gefühlt, als sie portraitiert wurden?
Wichtig.
3)    Hat sich Ihre Einstellung zu sich selbst während oder nach den Portrait-Sitzungen verändert?
Nein.
4)    Wenn Sie sich von außen betrachten, wie finden Sie sich?
Interessant.
5)    Wenn Sie alles haben könnten, alles sein könnten, wie wäre das für Sie? Was würden Sie tun?
Langweilig, ich würde nichts tun.
6)    Was ist Ihre wichtigste Eigenschaft? Empfinden Sie diese als Vorteil oder Nachteil?
Zuhörenkönnen, ist Vorteil.
7)    Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Musikalisch sein.
8)    Was ist Ihr größtes und wichtigstes Lebensziel?
Habe keins.
9)    Ihr größter Wunsch?
Keine wesentlichen Änderungen.
10)    Wofür sind Sie dankbar?
Für mein Leben.
11)    Wenn Sie als Tier leben müssten, welches möchte Sie sein?
Flughund.
12)    Welche Zauberkraft hätten Sie gerne?
Berge versetzen.
13)    In welcher Zeit hätten Sie gerne gelebt?
Jetzt.
14)    Wo möchten Sie leben?
Im brasilianischen Bundesstaat Bayern.
15)    Wie und wo möchten Sie sterben?
Im Bett zu Hause einschlafen.
16)    Wäre es für Sie ein tröstliches Gefühl etwas zu hinterlassen? Wenn ja, was möchten Sie, das bleibt?
Ja, Erinnerung an einen Spinner.
17)    Wie fühlt sich Liebe an?
Feucht.
18)    Wäre das Leben für Sie lebenswert, wenn Sie ganz allein auf der Welt wären? Was würden Sie da tun?
Nicht so, ich würde warten.
19)    Was ist für Sie Religion? Was sind für Sie religiöse Gefühle?
Glaube an etwas Metaphysisches.
20)    Halten Sie sich für mächtig? Wenn Sie es tun, was könnten Sie besser machen?
Nein.
21)    Welcher war der peinlichste Augenblick in Ihrem Leben?
Die Geburt.
22)    Welcher Moment war am glücklichsten?
In Rio aus dem Flieger steigen.
23)    Hassen Sie jemanden? Gibt es jemandem, dem Sie am liebsten nie begegnet wären?
Nein.
24)    Mit wem, von den heute lebenden Menschen, würden Sie wirklich gerne einmal zusammentreffen?
Mit niemand, ich kenne nicht alle.
25)    Was erwarten Sie für die Zukunft? Für Ihre eigene? Für die Erde? Für die Menschen?
Das Aussterben der Menschheit.
26)    Was treibt Sie an?
Interessantes zu erleben.
27)    Ihr Motto?
Sich beim Trinken zurückzuhalten.

Biographie

Geboren 1954 in Pasing.
Bis zum 30. Lebensjahr in Feldafing, Abitur 1973, Studium der Forstwissenschaften in München.
Vom 30. bis. 50 Lebensjahr in Leoni, Übernahme der elterlichen Bootswerft.
Seit dem 50. Lebensjahr wieder in Feldafing.

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Schluss mit Sommerpause …

Es geht endlich weiter. Inzwischen sind Kopf 3 und Kopf 4 fertig gegossen, ziseliert, patiniert und gesockelt.

Heute zeige ich ein paar Bilder aus der Gießerei und erkläre die Vorgänge dort. Die Bilder der fertigen Köpfe (beide in Bronze gegossen) zeige ich demnächst, denn ich komme erst am Donnerstag ins Fotostudio.

Dann gibt es auch ein paar Informationen zu den dargestellten Personen, so wie ganz zu Anfang des Projekts angekündigt.

Aus Gründen der Dokumentation sei hier erwähnt, dass zwei weitere interessante Persönlichkeiten schon in Arbeit sind (Kopf 5 und Kopf 6). Auch davon mehr in den nächsten Wochen.

Alle Bilder sind erst letzte Woche entstanden. Die Gießerei ist die Gießerei Gugg in Straubing. Eine sehr alte Firma, mit über 400 Jahren Firmengeschichte, begonnen als Glockengießerei. Hier an dieser Stelle nochmals mein herzlicher Dank für die sachkundige, sehr hilfsbereite und freundliche Unterstützung.

Die ersten Bilder dieser langen Bilderstrecke zeigen die Silikonformen in der Gießerei (nicht die meiner Köpfe; hiervon habe ich derzeit kein Foto gemacht). Das sind die Negativformen der Originale,  in denen ein Wachpositiv angefertigt werden kann. Dies macht man, indem man die Silikonform mit flüssigem Wachs sorgfältig in mehreren Schichten auspinselt (Wachsschmelzherd, Bild2).

Dann wird die (mindestens) zweigeteilte Form zusammengesetzt und noch ein paar Mal mit flüssigem Wachs ausgeschwenkt bis die gewünschte Materialstärke (2-4 Millimeter) entstanden ist. Das verwendete Wachs ist in zwei Farben (schwarz, mit Ruß gefärbt und eben naturfarben, gelblich) damit man zu dünne oder unbedeckte Schichten beim Verarbeiten besser erkennen kann.

Nach dem Erkalten, wird die Form vorsichtig in einem Wasserbecken geöffnet und das dünnwandige Wachspositiv entnommen.

Es werden der Eingießtrichter, die Gusskanäle und Steigkanäle angeklebt, die später die flüssige Bronze in die Form leiten, das Entweichen der Luft garantieren und das Nachsaugen von  Bronze beim Erkaltungsschrumpfen speisen.

Folgende Arbeitschritte sind hier in den Bildern übersprungen, seien aber der Vollständigkeit halber erklärt:

Das vorbereitete Wachsmodell – es ist ja hohl, wie ein „Schokolade-Nikolaus“ – wird innen mit einem Formkern (ein Gips-Schamotte Material) gefüllt. Dieser Formkern wird mit Bronzestiften oder Eisennägeln zusätzlich fixiert, die durch das Wachspositiv in den Kern gesetzt werden.  Dann wird alles in einen Kasten montiert, der mit einem flüssigen Formmaterial (meist Gips-Schamotte, teurer ist Keramik) ausgegossen wird.

Wenn alles ausgehärtet ist, kommt die Form in einen Ofen, der, gaaanz langsam,  die Temperatur auf etwa 400-600 Grad Celsius hochfährt. Dadurch schmilzt und verdampft das eingeschlossene Wachs und es bleibt ein Hohlraum zurück. In diesen wird dann später die flüssige Bronze gegossen werden.

Kompliziert? Ja. Ziemlich ausgefuchstes Verfahren. Aber, die Menschheit kennt es schon lange. Seit etwa 4000 vor Christus. Es gibt z.B. wunderbare Bronzeköpfe aus Afrika, die mehr als 2500 Jahre alt sind! Es heißt Wachsausschmelzverfahren oder Verfahren der verlorenen Form, da das Modell durch das Ausschmelzen untergeht.

So, die nächste Reihe zeigt den mächtig feuernden und wummernden Schmelzofen. Ein Gebläse heizt dem Ölbrenner richtig ein. Davor liegen Bronzebarren und abgeschnittene Gusskanäle, die wieder eingeschmolzen werden.

Dahinter seht ihr die gerade nicht verwendeten Schmelztiegel. Das sind im Prinzip Töpfe, kleiner oder größer, je nach zu schmelzender Menge. Für unterschiedliche Materialien jeweils einer. Das Material der Tiegel hat einen sehr hohen Schmelzpunkt und ist meist Keramik (Schamotte, Tonerde, Zirkonoxid, Graphit). Der Gießer prüft von Zeit zu Zeit die Temperatur, um den optimalen Zeitpunkt für den Guss zu finden.

Dann wird der Deckel zur Seite geschwenkt und die Schlacke abgeschöpft. Oft wird das Schmelzgut – je nach Metall – noch mit Glas oder Kohle abgedeckt, um Sauerstoffzutritt zu verhindern und zu Reduzieren. Die Schlacke schwimmt dann oben auf und wird vorher natürlich entfernt.

Schließlich wird die erste Schöpfkelle mit flüssiger Bronze gefüllt und eingegossen. Das geschmolzene Metall ist so heiß, dass sich auch die Schöpfkelle aus Stahl wie ein mit Wasser gefüllter Pastikbeutel nach unten ausbeult. Die hier gezeigten Formen sind Sandguss Formen, die für einfachere Formen ohne Hinterschneidungen verwendet werden. Meine Köpfe waren zu diesem Zeitpunkt bereits gegossen, so dass ich hier diese Bilder zeige, um einen Eindruck zu vermitteln. Die Formen werden soweit gefüllt, bis aus den Luftkanälen flüssiges Metall wieder austritt.

Sind die Formen für das Wachsausschmelzverfahren gefüllt und erkaltet, sehen sie so aus, wie in der nächsten Bilderzeile zu sehen ist. Man kann gut sehen, dass die Hitze die Form mit vielen Rissen fast zersprengt hat.

Dann werden die Bronzen „ausgebettet“, d.h. die Form wird zerschlagen. Das Ergebnis ist der Rohguss, der noch voller Schamotte und mit allen Angusskanälen keineswegs attraktiv aussieht. Die Teile werden mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und auch der Formkern wird ausgespült. Falls nicht alles herauskommt, werden zusätzliche Löcher gebohrt, die später wieder verschweißt werden. Die Angüsse werden mit der Flex entfernt.

Danach sehen die Rohgüsse einiges besser aus, so wie meine Köpfe hier zu sehen sind. Es beginnt der nächste Arbeitsschritt, das Ziselieren.

Dabei werden, möglichst vorsichtig, die Schweißnähte und Angüsse mit kleinen Fräsen versäubert. Um die schöne Gusshaut nicht zu zerstören, habe ich meine Arbeiten nicht Sandstrahlen lassen, wie es sonst üblicherweise gemacht wird.

Weitere Werkzeuge sind Druckluft betriebene Hammerstäbe und kleine metallene „Stempeleisen“, das sind stumpfe Meißel mit strukturierter Oberfläche, die so genannten Punzen. Damit passe ich nun die bearbeiteten Stellen an die umliegende Gussoberfläche des Originals an. Haarstruktur oder ähnliches muss nachgefräst oder nachgeschlagen werden. Das Schleifgerät schleift in einer Bewegung, die keine Spur hinterlässt. Ganz wichtig noch, ein Schraubstock. Damit keine Kratzer und Dellen am Werkstück entstehen, sind die Zwingen mit dicken Bleiwinkelplatten abgedeckt. Blei ist weich und hinterlässt keine Spuren.

Durch die poröse Innenseite der Form sind viele kleine Kügelchen entstanden die vorsichtig mit einem scharfen Meißel entfernt werden müssen (siehe Detail). Auch sind beim Einbetten des Wachmodells in die Form, trotz aller Vorkehrungen, immer noch Luftbläschen entstanden. Beispielsweise in den Ohren, Nasenlöchern oder Augenwinkeln (siehe Detail). Auch diese müssen vorsichtig weg gefräst werden und anschließend mit den Punzen an die übrige Oberfläche angepasst werden.

Schließlich wird der Kopf auf einen Metallstab geschweißt, der genau die Körperhöhe des portraitierten Menschen wiedergibt.

Ganz zum Schluss wird die Patina aufgebracht, durch die eine gleichmäßige Oberfläche entsteht und wodurch die überarbeiteten Stellen, die ja in hellem Bronze-Goldton herausstechen zum Verschwinden gebracht werden. Alles will man aber nicht abdecken, so dass die Oberfläche schön lebendig bleibt. Eine Kunst für sich, manchmal auch ein Geduldsspiel.

Zum Patinieren wird die Bronze mit einem Butangasbrenner erhitzt und anschließend mit der Patina behandelt. Ich verwende hier Schwefelleber, da dies die originale Gusshaut am besten trifft. Man kann aber auch grünliche, bräunliche oder schwarze Färbungen erreichen. Jede Gießerei hat ihr „Geheimrezept“, meist seit Generationen überliefert. Oftmals sind auch ziemlich scharfe Säuren mit drin.

Die Schwefelleber macht erst einen weißlichen Eindruck (hier zu sehen an einem „Hundekopf“) der aber verschwindet, wenn die Stelle gebürstet wird. Anschließend werden zu dunkle Stellen wieder aufgehellt oder nochmals getönt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Als letzter Schritt (hier ohne Bild) wird alles noch mit Bohnerwachs etwas zum Glänzen gebracht  … und  … „isch habe färtig“  😉

Kräfte sammeln …

Im Moment bleibt mir hier nicht viel mehr zu tun, als von kleinen Fortschritten zu berichten. Drei Köpfe werden im Finishing gerade soweit fertig gemacht, daß ich dann – in einem Aufwand – in die Gußwerkstatt gehen kann.

Dort stehen der Bau der Silikonform, das Wachsmodell, das Anbringen der Zuläufe und Steigkanäle, das Anfertigen der Gußform und das Gießen im Vordergrund. Anschließend folgt noch die Überarbeitung des Rohgusses, das Ziselieren, und das Patinieren.

     

Hier seht Ihr eine Detailaufnahme von Kopf 4. Der Kopf ist inzwischen gut durchgetrocknet und ich habe mit Bleistift alle Stellen markiert, die noch einer kleinen Korrektur bedürfen. Diese letzte Korrektursitzung mit dem Modell ermöglicht es mir, abschließend noch einmal alle individuellen Feinheiten zu erfassen und zu berücksichtigen. Bis auf eine Stelle unterhalb des rechten Auges sind alle markierten Stellen zu erhaben. Dort muss also noch etwas Material mit Schlingen oder Schabern abgetragen werden.

Unterhalb des Auges, fehlt noch etwas, dort muss etwas angetragen werden. Die Nase ist auch noch einen Tick zu gerade – kein Mensch ist wirklich symmetrisch – und bekommt noch ihren charakteristischen kleinen Drall nach rechts, der an diesem Gesicht zu beobachten ist.

Soviel für heute, demnächst aus der Gießerei…

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen …

Unvorhergesehene Schwierigkeiten machten mir bei Kopf 3 das Leben schwer.

            

Nachdem auch nach der 5. Sitzung der wirkliche Moment der Belebung auf sich warten ließ, hatte ich noch einmal alle Maße einzeln kontrolliert und dabei fest stellen müssen, dass sich, wahrscheinlich durch die vorherige Versetzung der Ohren, ein Maßfehler eingeschlichen hatte. Der Schädel war etwa 7 mm zu schmal.

Also: Ohren wieder abschneiden, entsprechendes Material unterfüttern und wieder ansetzen. Dann an Schläfen, Wangen und Kiefern ebenfalls den notwendigen Materialantrag nachholen. Durch die ganze Versetzerei wurden die Ohren zu groß, da sich der noch feuchte Ton ausgeweitet hatte. Überstände also zurück schneiden und alles neu modellieren.

Auch die Stirn machte mir Schwierigkeiten. Zuerst zu weit vorn aber in der Wölbung richtig. Dann wieder nach hinten, jetzt wieder Wölbung nachbessern. So gingen Sitzung 6,7,8 und 9 vorbei. Es dauerte lange, bis zur 8. Sitzung, bis ich die Stirn wirklich verstanden hatte. Die Bilder stammen aus der 10. Sitzung, als ich immer noch mal an der Stirn nachtragen musste.

Nun ja. Jetzt stimmt alles weitgehend und ich arbeite noch die Feinheiten an den Augenlidern aus und mache das Finish. Es gibt jetzt noch eine letzte Kontrollsitzung mit dem Modell und dann ist dieser Kopf soweit, dass ich mit dem Gießen beginnen kann.

Schrittweise zur Vollendung …

Kopf 4 ist in der vierten Sitzung in ein entscheidendes Stadium gekommen: der magische Moment der Belebung fand statt.

                

Hier abgebildet ist der Zustand nach der fünften Sitzung. Nun ist gewissermaßen der Berg erklommen und der Karren rollt (fast) von allein hinab, der Vollendung entgegen.

Die rechte Gesichtshälfte ist bereits detaillierter modelliert als die linke, vor allem um die Augen herum. Insgesamt muss noch geglättet werden, aber die Binnenmodellierung stimmt schon recht gut.

Hm, wirkt fast wie ein byzantinisches Herrscherbild  –  wenn der kleine Pferdeschwanz nicht wäre 😉

 

Portrait-Arbeit

Mein heutiges Update zeigt das Stadium von Kopf 4 nach der dritten Sitzung. Die Maße sind alle übernommen und mehrfach kontrolliert. Ich befinde mich mitten in der Individualisierungsphase.

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Als erstes habe ich mich ums Profil gekümmert, um dann, wie schon beschrieben, die beiden Gesichtshälften von vorne, unten, oben und von schräg hinten zu bearbeiten.

Wichtig ist festzuhalten, dass jeder einzelne Punkt des Gesichts beachtet werden muss. Man darf sich nie erlauben, summarisch zu arbeiten oder einen Teil wie den anderen zu wiederholen. Jeder einzelne Quadratzentimenter der Gesichtsoberfläche ist mit Auge und Gefühl gründlich zu erforschen und so subtil wie nur möglich zu erfassen.

Die Arbeit an Gesichts-„Hälften“ ist wichtig, da sie bei keinem Kopf genau symmetrisch sind. Sie sind nur mehr oder weniger symmetrisch. Bei vielen (Rechtshändern) ist z.B. auch die rechte Gesichtshälfte stärker ausgeprägt. Dies gilt nicht nur für die Muskulatur, auch für Kiefer, Schädelknochen oder Ohrgrößen. Die Unterschiede, am Ohr beispielsweise, können mehrere Millimeter ausmachen.

An diesem Kopf ist unter anderem die linke Gesichtshälfte deutlich tiefer als die rechte. D.h. der linke Gesichtsbogen zwischen Ohr und Mittellinie (die Mittellinie ist die mittige Profillinie, die von Kinn über Mund, Nase zwischen den Augenbrauen hindurch zur Stirn läuft) beschreibt einen größeren Weg, als der rechte. Anders ausgedrückt: der Gesichtsaufbau ist rechts steiler und stärker gekrümmt, links flacher und sanfter gekrümmt.

Man sieht solche Abweichungen besonders gut, wenn man den Kopf von vorne in starker Untersicht, also von unten nach oben betrachtet.

Neues von den Köpfen

Kopf 3 ist bald fertig, aber da ich momentan nicht weiter daran arbeiten kann, habe ich mit Kopf 4 begonnen. Dies sei hiermit dokumentiert, auch wenn ich mir mit lauter angefangenen Köpfen das Image ein wenig schädige 😉

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Genauso, wie ich mich über den ausdrucksstarken und hageren Kopf 3 freue, ist Kopf Nummer vier eine sehr interessante Persönlichkeit mit starkem breitem Schädelaufbau. Dies ist auch jetzt schon, nach der ersten Sitzung deutlich zu erahnen.

Und ja, im Hintergrund ist das Mittelmeer zu sehen. Wetter: vormittags strahlend sonnig und blauer Himmel, 30 Grad, Nachmittags bedeckt.

Dialog und Hintergrund

An dieser Stelle möchte ich auf einen Kommentar eingehen, der mich auf der Projektseite erreicht hat, den ich aber hier ausführlicher beantworten möchte und der daher einen eigenen Blogeintrag verdient.

Sebastian:

„Ich finde das Projekt ziemlich interessant, insbesondere den dokumentarischen Aspekt. Da das Projekt ja blogtechnisch begleitet und dokumentiert wird, fände ich ein paar weitere Hintergründe recht interessant…

z.B. wieso sollen es konkret 100 Köpfe werden? Gibt es für die Wahl der Anzahl einen besonderen Grund? Ich frage, weil die Zahl 100 so betont in Erscheinung tritt. Was genau hat es mit der Kathedrale des Monomythos auf sich?

Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg und Geduld für das Projekt.“

Hier meine Antwort:

Hallo Sebastian, ich freue mich über Deinen Kommentar und habe daher auch die Adresse Deines sehr interessanten Blogs hier mit veröffentlicht. Gerne gehe ich auf Deine Fragen ein:

Es werden 9×11 Menschen eines Typus portraitiert (das sind 99). Einer bleibt leer, das ist die Null, das Absolute, das Eine, die Leere. Weiteres in einem älteren Blogeintrag hier.

Die Zahl 100 ist ja, in unserem dekadischen Zahlensystem, eine „runde“ Zahl. Die Zahlenfolge (0), 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 kommt mit der 10 zum Abschluss und gleichzeitig beginnt dort der Übergang zur nächsten Dekade. Das setzt sich fort bis ins Unendliche. Jede dieser Zahlen, 10 genauso wie 100 oder 1.000 oder 100.000 oder 1.000.000 stellen immer den Abschluss eines Zyklus und den Beginn eines neuen Zyklus dar. Diese Zahlen sind somit natürliche Grenz-Zahlen. Zahlen, die sowohl dem abgeschlossenen Zyklus als auch dem neuen Zyklus zugerechnet werden können.

Das bedeutet, diese Zahlen stehen immer für einen Übergang und gleichzeitig für einen vollendeten Kreis, für eine abgeschlossene Einheit, ein Ganzes.

Damit repräsentiert auch die Zahl 100 das Ideal einer vollständigen, abgeschlossenen Einheit und gleichzeitig einer Grenze. Sie eignet sich also sehr gut dafür, als „pars pro toto“, als kleinere abgeschlossene Einheit, für die Gesamtheit aller Menschen zu stehen.

Die Zahl 100 liefert mir die ideale Repräsentanz – das ideale Symbol – für die Gesamtheit aller Menschen und für die Transzendenz, den Übergang, die Grenze.

Zehn Köpfe zu modellieren, wäre sicherlich zu klein gewesen, 1000 Köpfe würde wohl meine Lebensarbeitszeit übersteigen. Also eignet sich die Zahl 100 auch aus rein pragmatischen Erwägungen.

Deine zweite Frage zur Kathedrale des Monomythos verdient auch eine differenziertere Beantwortung. Dazu fehlt mir an dieser Stelle der Raum.

Daher nur kurz: die Kathedrale des Monomythos repräsentiert für mich den gesamten Lebensinhalt des Menschen. Das Grundmuster unserer Existenz, das sich in jedem Menschenleben wiederfindet und wiederholt.  Daher lebt es auch in jedem Mythos. Dieses Grundmuster ist in jeder Geschichte, die sich die Menschen erzählen, zu finden.

Die Kathedrale des Monomythos gibt diesem Grundmuster der Existenz eine konkrete architektonische und künstlerische Form. Die Geschichte aller Geschichten wird in einem skulpturalen Medium neu erzählt. Als Gesamtkunstwerk.

Memleben Krypta

In dieser Kathedrale gibt es einen Bauteil (eine architektonische Einheit), die für mich die Krypta darstellt. Eine Krypta ist eine Unterkirche, also eine Kirche unter dem darüber stehenden größeren Kirchenbau.

Bauhistorisch hat sich dieser Typus in Europa daraus entwickelt, dass die ersten Kirchen meist auf älteren keltischen Kultplätzen errichtet wurden. Diese wiederum auf noch viel älteren matriarchalen, prähistorischen Kultstätten. Wenn dann in späterer Zeit eine größere romanische Basilika errichtet wurde, wurde die alte Kirche „integriert“ oft in Form einer Krypta. Sie lag damit tiefer in der Erde, aber auch direkt im Zentrum der Kultstätte. Oft ist hier der „Genius Loci“ auch am stärksten spürbar. Die Energie ist hier am machtvollsten.

Später wurden die Krypten auch als Grablegen für die Stifter oder andere angesehene Personen oder für das Reliquiar genutzt. Sie sind somit auch „Schädelstatt“ geworden.

Daher sind für mich die 100 Köpfe in der Krypta, in der Schädelstatt angesiedelt. Im Kraftzentrum des heiligen Ortes.

Aus den Träumen dieser Köpfe entsteht die ganze Welt darum herum. Die Nornen, die unsere Schicksalsfäden spinnen, sind wir selbst. Das Gewebe unserer Welt entsteht in unseren Köpfen, aus unseren Gedanken. Da diese Welt aus der Transzendenz – aus den Gedanken, der universalen Intelligenz – geboren wird und da auch der Tod einen Übergang in diese Transzendenz darstellt, ist die Krypta für mich der Ort der Formung eines Lebens und des Übergangs zugleich.

In anderen Worten ein Ort, der die Entstehung und die Gestaltung eines Lebens, genauso wie den Übergang und die Grenze zu einem anderen Leben jenseits des materiellen Seins verkörpert.

Kopf 3 vierte Sitzung

Wie Ihr sehen könnt, werden die Gesichtszüge immer klarer. Es klärt sich auf, gewissermaßen. Sitzung drei, habe ich hier übersprungen. Die Ohren wurden versetzt, sie waren noch zu weit hinten und zu hoch. Einfach abschneiden und neu ansetzen. Bei Ton geht das leicht, anders als bei Gips.

kopf308.jpg    kopf3101.jpg    kopf311.jpg    kopf312.jpg

😉

Kopf 3 Präzisierung

Heute nur ein kurzes Update: die Ergebnisse bei Kopf 3 nach der zweiten Sitzung. Die Volumina sind präziser geworden, die Züge werden langsam individualisiert, die verschiedenen Winkel und Gesichtsflächen aufeinander abgestimmt.

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