Kopf 2 – Ausarbeitung der Details (VI)

So, Kopf 2 nähert sich dem Abschluss. Es ist mir gelungen, die einige Stadien vorher erreichte Lebendigkeit hinüber zu retten und gleichzeitig die Details auszuarbeiten, so wie ich es von mir selber für dieses Projekt fordere.

Um ehrlich zu sein, davor hatte ich ziemlich Schiss Angst. Daher habe ich eigentlich auch an diesem Kopf solange nicht wirklich weiter gearbeitet und mich mit anderen Sachen beschäftigt (so so …)

Aber nun, ist alles gut geworden. Die Struktur der Haare habe ich mit einer Bürste erzeugt und die Musterung auf dem Haarband, tja, mit einer Erdnussschale. Peanuts eben. Immer wieder wichtig 😉

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Das Modell hat mich in der letzten Sitzung gefragt, ob ich stolz auf meine Arbeit wäre.“Ja, bin ich“, habe ich geantwortet. „Und es ist nichts schlechtes dabei stolz auf eine gelungene Sache zu sein“.

Aber sie hat ja auch so umwerfende Lippen. Ich habe lange gebraucht, sie richtig zu erfassen. Als es mir dann gelungen ist, dachte ich, wow, das wird ja eines der schönsten Lippenpaare in der Kunstgeschichte … Nofretete lässt grüßen.

Jetzt muß der Ton noch etwas trocknen und ich kann das Schlussfinish machen. Und ja, ein paar Kleinigkeiten an den Augen sind auch noch vorher zu erledigen.

Seht mir bitte die schlechte Fotoqualität nach, da ich diese Zwischenstadien nur kurz dokumentiere.

Wenn dann alles ganz trocken ist, geht die Sache in die Gießerei. Dort werde ich euch zeigen, wie es weitergeht und es gibt schließlich auch gute Fotos.

Kopf 2 Feinarbeit (VI)

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Und weiter im Text. Schließlich muss es auch mit den Köpfen hier im Internet vorangehen. Die Warteliste ist mittlerweile doch sehr lang geworden.

Der Ton ist inzwischen „lederhart“. Ein Zustand in dem sich immer noch gut arbeiten lässt, bei dem aber die wichtigsten Proportionen stimmen müssen. Das Material ist schon sehr weit geschrumpft, ein Umstand der bei aktuellen Kontrollmessungen zu berücksichtigen ist.

Neues Material lässt sich leicht antragen. Es sollte aber gut feucht, fast ein bisschen „schlammig“ sein. Das überschüssige Wasser wird von dem übrigen trockeneren Ton sehr schnell „geschluckt“, so dass auch neu modellierte Schichten sehr zügig nachtrocknen. Trotzdem das Werkstück nach „Feierabend“ immer gut in feuchte Tücher einhüllen, damit die Trocknung nicht zu schnell weitergeht.  Falls trotzdem kleine Haarrisse zwischen den neuen und den alten Schichten entstehen, können diese mit ein bisschen geschlämmtem Ton leicht geschlossen werden.

Auf Bild 1 seht ihr, dass ich die Haarstruktur mit einer Bürste schon weitgehend geglättet habe. Da der Ton schon so gut fest ist, lässt sich das Werkstück nun auch prima in die Hände nehmen. Dadurch kann man sehr einfach die Höhenreliefs des Gesichts kontrollieren.

Auf Bild 2 sieht man diese Arbeitsweise: der Kopf wird kopfüber modelliert, damit auch die Feinheiten des vor- und zurückspringenden horizontalen Reliefs stimmen. Überstände werden mit kleinen Schlingen oder Schabern abgekratzt. Für Feinheiten im Bereich der Augen, Nasenhöhlen und Mundwinkel sind zahnärztliche Werkzeuge ideal geeignet.

Bild 3 zeigt, wie die Augen genau nach Maß positioniert werden. Um die Kugelform der Augäpfel zu bekommen, wird erst einmal das Auge als gerundete konvexe Form in der konkaven Augenhöhle angelegt. Die spätere Ausformung der Lider ist nur eingeritzt. Die notwendigen Vertiefungen zur plastischen Modellierung der Lider werden anschließend mit kleinen Modellierwerkzeugen aus der Zahnmedizin eingebracht.

Bild 4 zeigt, wie ich den Ton in immer feineren Schichten antrage. Normalerweise sind die Finger die besten Werkzeuge beim Modellieren. Um aber die zarten Übergänge dieses jugendlich glatten Gesichts zu erreichen, ist man damit zu plump ausgestattet. Daher verwende ich alte Malerpinsel, mit denen ich geschlämmten Ton in feinen Lagen auftrage, um die optimale Modellierung des Gesichts zu erzielen. Der Ton ist dabei so pastos wie Ölfarbe aus der Tube. Wenn der Ton etwas angetrocknet ist, wird mit den feuchten Fingern noch nachgeglättet, um die Pinselstruktur zu verwischen, die hier nicht gewünscht ist. Bei Haaren und Augenbrauen, kann man dies jedoch als Gestaltungsmittel sehr schön einsetzen.

So, nun habe ich schon viele „Betriebsgeheimnisse“ verraten, die man sonst nirgendwo erfährt. Viel Spaß beim „nacharbeiten“. Ich sehe an meiner Blogstatistik, daß hier offenbar sehr viele Leute still mitlesen, die aus Hobby oder beruflichen Gründen gern wissen wollen „wie’s geht“. Um auch dieses legitime Bedürfnis zu erfüllen, habe ich bei den einzelnen Schritten jedesmal sehr detailliert berichtet.

Kopf 2 – Belebung (V)

Und plötzlich – lebt das Bild!

Bei jeder gelungenen Arbeit kommt einmal der Punkt, an dem die Arbeit einen „Quantensprung“ macht. Die vormals noch tote, rohe Materie gewinnt spontan Leben. Das Bild gewinnt seine Seele. Animation im eigentlichen Sinn.

Der Moment hat etwas Magisches: Endlich die Wölbung der Stirn richtig gesehen, etwas Material aufgeschichtet, den Ton vorsichtig mit den angefeuchteten Fingern in Form geklopft. Dabei die schon vorhandenen Details an den Augen „geopfert“ und wieder mit Ton überdeckt, um die neue Tiefe der Augenhöhlen auszugleichen und – da ist SIE! Die Linien von Stirn, Nase und Wangen stimmen überein und erwecken alles zum Leben. Allein dies überspielt alle noch vorhandenen Unvollkommenheiten. Es ist SIE. Jeder der SIE kennt kann es nun sehen.

Enneagramm Künstler    Enneagramm Künstler    Enneagramm Künstler 

Jedes Mal ist dies der schönste Moment in meinem Tun, bei dem immer ein kleines freudiges Erschrecken, ein Erschauern mein Herz ergreift.  Dann, wenn das Werk, das Geschaffene, beginnt, ein eigenes Leben zu entfalten.

Nun heißt es, dieses junge Leben nicht wieder zu zerstören. Behutsam zu pflegen und auf die anderen Teile des Gesichts und den ganzen Kopf auszudehnen; schön vorsichtig weiterzuarbeiten…