Neue Köpfe braucht das Land

Heute geht es hier ein wenig weiter. In der letzten Zeit habe ich im Zuge meiner Ausstellungsvorbereitung viel an den Skulpturen und Plastiken zum Monomythos gearbeitet, daher ist es hier ein wenig still gewesen. Das wird sich nun ändern.

Kopf 2 ist in Silber gegossen (999). Ich muss nur noch einige Ziselierarbeiten zum Abschluss bringen, um die Stellen zu überarbeiten, an denen ich die Angüsse entfernt oder Schweißnähte überfräßt habe. Zur schlichten Dokumentation, hier zwei Fotos.

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Ich bitte die mindere Qualität der Abbildungen zu entschuldigen. Demnächst gibt es vom Profi gefertigte Fotos von diesem Kopf und auch von Kopf  5, der nun ebenfalls vollständig fertig ist. Er ist in Bronze ausgeführt. Natürlich gibt es das mit allen „Begleiterscheinungen“, dem Interview und der Kurzbiogafie für beide Köpfe.

Vor kurzem habe ich mit Kopf 7 und mit Kopf 10 begonnen. Zur Dokumentation zwei Fotos.

Die ersten beiden hier unten abgebildete Bilder zeigen Kopf 7 in den Grundzügen, ein bekannter deutscher Bestseller-Autor. Wer es ist, wird erst später enthüllt, wenn die Individualisierung fortgeschritten ist.

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Eine Bilderzeile weiter unten ist der Beginn von Kopf 10 zu sehen, ein junger Internet Unternehmer und Selfmade Millionär. Interessant ist bei beiden Köpfen, dass, obwohl noch nicht viel mehr passiert ist, als die Hauptmaße des Schädels in den Ton zu übertragen, dennoch schon die grundlegende Richtung oder Charakteristik aufscheint. Eine erste „Impression“ ist bereits erkennbar.

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Vielleicht noch eine Anmerkung für alle die gerne mitzählen: mit Kopf 6 beginne ich am Wochenende, Kopf 8 und 9 müssen aufgrund terminlicher Probleme noch etwas warten, genauso wie Kopf 11. Im Herbst werden voraussichtlich zwei Ausstellungen stattfinden, bei denen Kopf 1-5, 6,7 und 10 im Original zu sehen sein werden. Genaueres wird bekannt gegeben, wenn die Lokation endgültig fixiert ist. Wahrscheinlich wird es in München und im Schwäbischen stattfinden. Die übernächsten Ausstellungen sind auch schon in Sicht, im April 2010 in München und in Buenos Aires.

Kopf 2 – Ausarbeitung der Details (VI)

So, Kopf 2 nähert sich dem Abschluss. Es ist mir gelungen, die einige Stadien vorher erreichte Lebendigkeit hinüber zu retten und gleichzeitig die Details auszuarbeiten, so wie ich es von mir selber für dieses Projekt fordere.

Um ehrlich zu sein, davor hatte ich ziemlich Schiss Angst. Daher habe ich eigentlich auch an diesem Kopf solange nicht wirklich weiter gearbeitet und mich mit anderen Sachen beschäftigt (so so …)

Aber nun, ist alles gut geworden. Die Struktur der Haare habe ich mit einer Bürste erzeugt und die Musterung auf dem Haarband, tja, mit einer Erdnussschale. Peanuts eben. Immer wieder wichtig 😉

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Das Modell hat mich in der letzten Sitzung gefragt, ob ich stolz auf meine Arbeit wäre.“Ja, bin ich“, habe ich geantwortet. „Und es ist nichts schlechtes dabei stolz auf eine gelungene Sache zu sein“.

Aber sie hat ja auch so umwerfende Lippen. Ich habe lange gebraucht, sie richtig zu erfassen. Als es mir dann gelungen ist, dachte ich, wow, das wird ja eines der schönsten Lippenpaare in der Kunstgeschichte … Nofretete lässt grüßen.

Jetzt muß der Ton noch etwas trocknen und ich kann das Schlussfinish machen. Und ja, ein paar Kleinigkeiten an den Augen sind auch noch vorher zu erledigen.

Seht mir bitte die schlechte Fotoqualität nach, da ich diese Zwischenstadien nur kurz dokumentiere.

Wenn dann alles ganz trocken ist, geht die Sache in die Gießerei. Dort werde ich euch zeigen, wie es weitergeht und es gibt schließlich auch gute Fotos.

Kopf 2 Feinarbeit (VI)

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Und weiter im Text. Schließlich muss es auch mit den Köpfen hier im Internet vorangehen. Die Warteliste ist mittlerweile doch sehr lang geworden.

Der Ton ist inzwischen „lederhart“. Ein Zustand in dem sich immer noch gut arbeiten lässt, bei dem aber die wichtigsten Proportionen stimmen müssen. Das Material ist schon sehr weit geschrumpft, ein Umstand der bei aktuellen Kontrollmessungen zu berücksichtigen ist.

Neues Material lässt sich leicht antragen. Es sollte aber gut feucht, fast ein bisschen „schlammig“ sein. Das überschüssige Wasser wird von dem übrigen trockeneren Ton sehr schnell „geschluckt“, so dass auch neu modellierte Schichten sehr zügig nachtrocknen. Trotzdem das Werkstück nach „Feierabend“ immer gut in feuchte Tücher einhüllen, damit die Trocknung nicht zu schnell weitergeht.  Falls trotzdem kleine Haarrisse zwischen den neuen und den alten Schichten entstehen, können diese mit ein bisschen geschlämmtem Ton leicht geschlossen werden.

Auf Bild 1 seht ihr, dass ich die Haarstruktur mit einer Bürste schon weitgehend geglättet habe. Da der Ton schon so gut fest ist, lässt sich das Werkstück nun auch prima in die Hände nehmen. Dadurch kann man sehr einfach die Höhenreliefs des Gesichts kontrollieren.

Auf Bild 2 sieht man diese Arbeitsweise: der Kopf wird kopfüber modelliert, damit auch die Feinheiten des vor- und zurückspringenden horizontalen Reliefs stimmen. Überstände werden mit kleinen Schlingen oder Schabern abgekratzt. Für Feinheiten im Bereich der Augen, Nasenhöhlen und Mundwinkel sind zahnärztliche Werkzeuge ideal geeignet.

Bild 3 zeigt, wie die Augen genau nach Maß positioniert werden. Um die Kugelform der Augäpfel zu bekommen, wird erst einmal das Auge als gerundete konvexe Form in der konkaven Augenhöhle angelegt. Die spätere Ausformung der Lider ist nur eingeritzt. Die notwendigen Vertiefungen zur plastischen Modellierung der Lider werden anschließend mit kleinen Modellierwerkzeugen aus der Zahnmedizin eingebracht.

Bild 4 zeigt, wie ich den Ton in immer feineren Schichten antrage. Normalerweise sind die Finger die besten Werkzeuge beim Modellieren. Um aber die zarten Übergänge dieses jugendlich glatten Gesichts zu erreichen, ist man damit zu plump ausgestattet. Daher verwende ich alte Malerpinsel, mit denen ich geschlämmten Ton in feinen Lagen auftrage, um die optimale Modellierung des Gesichts zu erzielen. Der Ton ist dabei so pastos wie Ölfarbe aus der Tube. Wenn der Ton etwas angetrocknet ist, wird mit den feuchten Fingern noch nachgeglättet, um die Pinselstruktur zu verwischen, die hier nicht gewünscht ist. Bei Haaren und Augenbrauen, kann man dies jedoch als Gestaltungsmittel sehr schön einsetzen.

So, nun habe ich schon viele „Betriebsgeheimnisse“ verraten, die man sonst nirgendwo erfährt. Viel Spaß beim „nacharbeiten“. Ich sehe an meiner Blogstatistik, daß hier offenbar sehr viele Leute still mitlesen, die aus Hobby oder beruflichen Gründen gern wissen wollen „wie’s geht“. Um auch dieses legitime Bedürfnis zu erfüllen, habe ich bei den einzelnen Schritten jedesmal sehr detailliert berichtet.

Kopf 2 – Belebung (V)

Und plötzlich – lebt das Bild!

Bei jeder gelungenen Arbeit kommt einmal der Punkt, an dem die Arbeit einen „Quantensprung“ macht. Die vormals noch tote, rohe Materie gewinnt spontan Leben. Das Bild gewinnt seine Seele. Animation im eigentlichen Sinn.

Der Moment hat etwas Magisches: Endlich die Wölbung der Stirn richtig gesehen, etwas Material aufgeschichtet, den Ton vorsichtig mit den angefeuchteten Fingern in Form geklopft. Dabei die schon vorhandenen Details an den Augen „geopfert“ und wieder mit Ton überdeckt, um die neue Tiefe der Augenhöhlen auszugleichen und – da ist SIE! Die Linien von Stirn, Nase und Wangen stimmen überein und erwecken alles zum Leben. Allein dies überspielt alle noch vorhandenen Unvollkommenheiten. Es ist SIE. Jeder der SIE kennt kann es nun sehen.

Enneagramm Künstler    Enneagramm Künstler    Enneagramm Künstler 

Jedes Mal ist dies der schönste Moment in meinem Tun, bei dem immer ein kleines freudiges Erschrecken, ein Erschauern mein Herz ergreift.  Dann, wenn das Werk, das Geschaffene, beginnt, ein eigenes Leben zu entfalten.

Nun heißt es, dieses junge Leben nicht wieder zu zerstören. Behutsam zu pflegen und auf die anderen Teile des Gesichts und den ganzen Kopf auszudehnen; schön vorsichtig weiterzuarbeiten…

Kopf 2 – Individualisierung (IV)

So geht es weiter. Im ständigen Wechsel zwischen vertikalem Profil und der Frontalansicht wird die Angleichung an die individuelle Form dieses Gesichts gesucht.

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Auch von oben und unten werden die Linien des horizontalen Profils immer wieder gesehen und in kleinen Schrittchen angepasst. Von Zeit zu Zeit empfiehlt es sich, die genauen Maße zu kontrollieren, damit auch nichts verrutscht oder zuviel angetragen wurde.

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Dieses Gesicht ist besonders schwer, da es sich um ein junges (15 Jahre), sehr glattes und sehr harmonisches Gesicht mit ganz weichen Rundungen handelt. Und ja, es ist ein Mädchen 😉 Ältere Gesichter sind oft leichter, da die Gesichtszüge mit dem Alter prägnanter werden.

Die individuellsten Teile des Gesichts sind bis jetzt die Nase und die Ohren. Augen, Mund und Wangenpartie bedürfen noch weiterer Arbeit.

Der Kopf ist immer gut in feuchte Tücher zu hüllen, die mit einer darüber gestülpten und unten zugebundenen Plastiktüte am allzu raschen Austrocknen gehindert werden. Die Tücher sollten allerdings von Zeit zu Zeit gewechselt werden, um Schimmelpilz zu vermeiden, der hässliche schwarze Flecken hinterlässt. Auch direktes Tageslicht ist von Nachteil, da der Ton dann möglicherweise grünen Algenbelag erhält. Wenn man so vorgeht, kann man praktisch unbegrenzt lange an der Plastik arbeiten.

Kopf 2 – Individualisierung (III)

Es ist ja vielleicht nicht gut, ein Werk zu früh zu veröffentlichen. Aber da ich beschlossen habe, mir einmal ganz genau über die Schulter sehen zu lassen (mit allen Vor- und Nachteilen) und da es in meiner plastischen Arbeit momentan so schrecklich langsam voran geht, lasse ich Euch auch an diesem Zwischenstadium des aktuellen Kopfs teilhaben.

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Nun seht Ihr, wie der Kopf langsam individuelle Züge erhält. Erst beginne ich mit einer Seite (dem Profil) dann arbeite ich am Gesicht frontal und schließlich von der anderen Seite.

Auf diesen Fotos seht Ihr, dass die Individualisierung auf der linken Gesichtshälfte begonnen hat (vom Portraitierten aus gesehen). Rechts ist noch ungestaltet. Mund und Kinn stimmen auch noch nicht, da ich jetzt zur Frontalansicht wechsle und von dort aus, häufiger hin und her wechselnd, die optimale Form und den individuellsten Ausdruck des Gesichts suche.

Kopf 2 – Der Aufbau (II)

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Hier seht Ihr, wie es weiter geht. Bild 1 zeigt das Zuwölben der 8 Kammern.  Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass man statt des Hohlaufbaus auch den Kopf massiv in Ton aufbauen kann. Man braucht dazu aber mehr Material. Wenn man später brennen will, muss man den Kopf vorher, wenn er „lederhart“ getrocknet ist, mit den Schlingen sorgfältig aushöhlen und wieder verschließen.

Auf diesem Bild (1) seht Ihr auch, dass ich sofort ein kleines Problem bekommen habe: der Kopf wurde durch das Eigengewicht des Tons doch zu schwer (er war wahrscheinlich über Nacht auch zu feucht eingepackt) und ist mir an der Gewindestange durchgesackt. Ich habe erst versucht mit einer Platte zu arbeiten, bin dann aber doch auf meine viel bewährte Gerüst-Stange zurückgekommen (siehe Bild 2). Leider lässt sie sich später so schwer lösen 😦

Inzwischen habe ich schon „Maß genommen“.  D.h. ich habe die zu portraitierende Person in allen wichtigen Dimensionen mit dem Portraitzirkel ausgemessen und die Daten entsprechend dem goldenen Schnitt verkleinert. Dabei sind die 5% Materialschwund bei der Lufttrocknung dieses Tons wieder hinzu zu addieren, damit die Verkleinerung später auch noch genau ist. Das alles mache ich mit einer Excel Tabellenkalkulation, da ich die 36 Messwerte so viel einfacher berechnen kann und sie gleich als Maßtabelle zur Hand habe.

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Mit Bild 3 beginnt die Individualisierung des Kopfrohlings. In Bild 4 und 5 stimmen schon die wichtigsten Höhen- und Breitenverhältnisse des Gesichts. Ab diesem Punkt beginne ich nun mit den eigentlichen Portraitsitzungen, d.h. mit der Arbeit am lebenden Modell. Vorerst konzentriere ich mich auf den reinen Gesichtsschädel. Alles weitere, wie Haare, Hinterkopf und Hals werden später bearbeitet. 

Bild 6 zeigt die Vorbereitung als Christo Verpackung über Nacht, damit der feuchte Ton nicht austrocknet. Nie zu feucht machen, sonst zerfällt die Arbeit durch die aufgesaugte Nässe.

Kopf 2 – Der Aufbau (I)

Hier könnt Ihr sehen, wie ich jeden Kopf anfange. Diesmal wird in Ton modelliert, da dieser Kopf nach der Fertigstellung gleich in Silber gegossen werden wird und das Modellieren in Ton einfach zügiger geht als in Gips.

Die hier verwendete keramische Masse ist ein sehr feiner, hellgrauer Ton aus dem Westerwald mit 25% Schamotte in 0,2 mm Korngröße.

Ton schrumpft beim Trocknen durch die Abgabe von Wasser an die Luft.  Bei diesem Vorgang geht die Plastizität des Materials zurück und der Ton wird hart und bruchempfindlich. Dieser Ton hier schrumpft bis zu 5% durch Lufttrocknung. Die Schamotte (das sind kleine, bereits gebrannte Tonkrümel in definierter Korngröße, die mechanisch untergemischt werden) verhindert die Rißbildung beim Trocknen und dämpft die Schrumpfung.

Ich muß die Schrumpfung des Tons bei der Vermessung der Köpfe berücksichtigen, um später eine maßgenaue Verkleinerung zu erhalten.

Bild 1 zeigt die verwendeten Werkzeuge: Schlingen in unterschiedlicher Größe und verschiedene Modellierhölzer.

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Der Kopf wird auf einer Gewindestange aus Edelstahl begonnen (Bild 2) .

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Das Gewinde verhindert, dass der Kopf durch das Eigengewicht des feuchten Tons an der Stange absackt. Dies würde bei einer Stange mit glatter Oberfläche passieren. Die Stange würde dabei durch den weichen Ton stoßen und oben am Kopf heraustreten, was nicht erwünscht ist. Der Kopf soll ja schön dort oben bleiben, (Bild 3) , damit man optimal daran abeiten kann.

Die Stange muss aus Edelstahl sein. Nicht aus Holz oder Eisen. Holz würde durch die Feuchte des Tons quellen, Eisen korrodiert. Beides würde verhindern, den Kopf später ohne Beschädigung wieder von der Stange lösen zu können.

Wenn die Oberfläche quillt oder korrodiert, sitzt die Stange nachher, wenn der Ton durch die Trocknung schrumpft, so fest, dass man sie nicht mehr herausbekommt. Edelstahl reagiert nicht und die Oberfläche bleibt glatt. Ich kann den Kopf durch das Gewinde später einfach herausdrehen.

In Bild 3 und 4 seht Ihr die Aufteilung des Kopfes in 2×4 Kammern, die später hohl bleiben. Sie müssen untereinander verbunden sein damit die Luft zirkulieren kann.

Besonders wenn man den Kopf später brennen möchte, d.h. im Ofen bis zu 1.200° C erhitzen will, dürfen keinerlei abgeschlossene und mit Luft gefüllte Hohlräume vorhanden sein. Sonst … knallt es! Die erhitzte Luft dehnt sich so stark aus, dass der erhärtete Ton im Ofen explosionsartig in Scherben springt. Je gröber die eingearbeitete Schamotte, desto poröser ist der Scherben und desto geringer die Gefahr des Zerplatzens.

Hier muß ich nicht so genau arbeiten, da von vorne herein nur die Lufttrockung vorgesehen ist. Daher kann ich eine sehr feine Schamottierung wählen und erziele damit ein glatteres Finish.

Zuletzt ist der Kopf immer gut feucht zu halten, so lange bis die Arbeit fertig ist. Daher wird er bei Arbeitspausen in feuchte Tücher eingewickelt (Bild 5) und mit einer Plastiktüte umhüllt.