Schluss mit Sommerpause …

Es geht endlich weiter. Inzwischen sind Kopf 3 und Kopf 4 fertig gegossen, ziseliert, patiniert und gesockelt.

Heute zeige ich ein paar Bilder aus der Gießerei und erkläre die Vorgänge dort. Die Bilder der fertigen Köpfe (beide in Bronze gegossen) zeige ich demnächst, denn ich komme erst am Donnerstag ins Fotostudio.

Dann gibt es auch ein paar Informationen zu den dargestellten Personen, so wie ganz zu Anfang des Projekts angekündigt.

Aus Gründen der Dokumentation sei hier erwähnt, dass zwei weitere interessante Persönlichkeiten schon in Arbeit sind (Kopf 5 und Kopf 6). Auch davon mehr in den nächsten Wochen.

Alle Bilder sind erst letzte Woche entstanden. Die Gießerei ist die Gießerei Gugg in Straubing. Eine sehr alte Firma, mit über 400 Jahren Firmengeschichte, begonnen als Glockengießerei. Hier an dieser Stelle nochmals mein herzlicher Dank für die sachkundige, sehr hilfsbereite und freundliche Unterstützung.

Die ersten Bilder dieser langen Bilderstrecke zeigen die Silikonformen in der Gießerei (nicht die meiner Köpfe; hiervon habe ich derzeit kein Foto gemacht). Das sind die Negativformen der Originale,  in denen ein Wachpositiv angefertigt werden kann. Dies macht man, indem man die Silikonform mit flüssigem Wachs sorgfältig in mehreren Schichten auspinselt (Wachsschmelzherd, Bild2).

Dann wird die (mindestens) zweigeteilte Form zusammengesetzt und noch ein paar Mal mit flüssigem Wachs ausgeschwenkt bis die gewünschte Materialstärke (2-4 Millimeter) entstanden ist. Das verwendete Wachs ist in zwei Farben (schwarz, mit Ruß gefärbt und eben naturfarben, gelblich) damit man zu dünne oder unbedeckte Schichten beim Verarbeiten besser erkennen kann.

Nach dem Erkalten, wird die Form vorsichtig in einem Wasserbecken geöffnet und das dünnwandige Wachspositiv entnommen.

Es werden der Eingießtrichter, die Gusskanäle und Steigkanäle angeklebt, die später die flüssige Bronze in die Form leiten, das Entweichen der Luft garantieren und das Nachsaugen von  Bronze beim Erkaltungsschrumpfen speisen.

Folgende Arbeitschritte sind hier in den Bildern übersprungen, seien aber der Vollständigkeit halber erklärt:

Das vorbereitete Wachsmodell – es ist ja hohl, wie ein „Schokolade-Nikolaus“ – wird innen mit einem Formkern (ein Gips-Schamotte Material) gefüllt. Dieser Formkern wird mit Bronzestiften oder Eisennägeln zusätzlich fixiert, die durch das Wachspositiv in den Kern gesetzt werden.  Dann wird alles in einen Kasten montiert, der mit einem flüssigen Formmaterial (meist Gips-Schamotte, teurer ist Keramik) ausgegossen wird.

Wenn alles ausgehärtet ist, kommt die Form in einen Ofen, der, gaaanz langsam,  die Temperatur auf etwa 400-600 Grad Celsius hochfährt. Dadurch schmilzt und verdampft das eingeschlossene Wachs und es bleibt ein Hohlraum zurück. In diesen wird dann später die flüssige Bronze gegossen werden.

Kompliziert? Ja. Ziemlich ausgefuchstes Verfahren. Aber, die Menschheit kennt es schon lange. Seit etwa 4000 vor Christus. Es gibt z.B. wunderbare Bronzeköpfe aus Afrika, die mehr als 2500 Jahre alt sind! Es heißt Wachsausschmelzverfahren oder Verfahren der verlorenen Form, da das Modell durch das Ausschmelzen untergeht.

So, die nächste Reihe zeigt den mächtig feuernden und wummernden Schmelzofen. Ein Gebläse heizt dem Ölbrenner richtig ein. Davor liegen Bronzebarren und abgeschnittene Gusskanäle, die wieder eingeschmolzen werden.

Dahinter seht ihr die gerade nicht verwendeten Schmelztiegel. Das sind im Prinzip Töpfe, kleiner oder größer, je nach zu schmelzender Menge. Für unterschiedliche Materialien jeweils einer. Das Material der Tiegel hat einen sehr hohen Schmelzpunkt und ist meist Keramik (Schamotte, Tonerde, Zirkonoxid, Graphit). Der Gießer prüft von Zeit zu Zeit die Temperatur, um den optimalen Zeitpunkt für den Guss zu finden.

Dann wird der Deckel zur Seite geschwenkt und die Schlacke abgeschöpft. Oft wird das Schmelzgut – je nach Metall – noch mit Glas oder Kohle abgedeckt, um Sauerstoffzutritt zu verhindern und zu Reduzieren. Die Schlacke schwimmt dann oben auf und wird vorher natürlich entfernt.

Schließlich wird die erste Schöpfkelle mit flüssiger Bronze gefüllt und eingegossen. Das geschmolzene Metall ist so heiß, dass sich auch die Schöpfkelle aus Stahl wie ein mit Wasser gefüllter Pastikbeutel nach unten ausbeult. Die hier gezeigten Formen sind Sandguss Formen, die für einfachere Formen ohne Hinterschneidungen verwendet werden. Meine Köpfe waren zu diesem Zeitpunkt bereits gegossen, so dass ich hier diese Bilder zeige, um einen Eindruck zu vermitteln. Die Formen werden soweit gefüllt, bis aus den Luftkanälen flüssiges Metall wieder austritt.

Sind die Formen für das Wachsausschmelzverfahren gefüllt und erkaltet, sehen sie so aus, wie in der nächsten Bilderzeile zu sehen ist. Man kann gut sehen, dass die Hitze die Form mit vielen Rissen fast zersprengt hat.

Dann werden die Bronzen „ausgebettet“, d.h. die Form wird zerschlagen. Das Ergebnis ist der Rohguss, der noch voller Schamotte und mit allen Angusskanälen keineswegs attraktiv aussieht. Die Teile werden mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und auch der Formkern wird ausgespült. Falls nicht alles herauskommt, werden zusätzliche Löcher gebohrt, die später wieder verschweißt werden. Die Angüsse werden mit der Flex entfernt.

Danach sehen die Rohgüsse einiges besser aus, so wie meine Köpfe hier zu sehen sind. Es beginnt der nächste Arbeitsschritt, das Ziselieren.

Dabei werden, möglichst vorsichtig, die Schweißnähte und Angüsse mit kleinen Fräsen versäubert. Um die schöne Gusshaut nicht zu zerstören, habe ich meine Arbeiten nicht Sandstrahlen lassen, wie es sonst üblicherweise gemacht wird.

Weitere Werkzeuge sind Druckluft betriebene Hammerstäbe und kleine metallene „Stempeleisen“, das sind stumpfe Meißel mit strukturierter Oberfläche, die so genannten Punzen. Damit passe ich nun die bearbeiteten Stellen an die umliegende Gussoberfläche des Originals an. Haarstruktur oder ähnliches muss nachgefräst oder nachgeschlagen werden. Das Schleifgerät schleift in einer Bewegung, die keine Spur hinterlässt. Ganz wichtig noch, ein Schraubstock. Damit keine Kratzer und Dellen am Werkstück entstehen, sind die Zwingen mit dicken Bleiwinkelplatten abgedeckt. Blei ist weich und hinterlässt keine Spuren.

Durch die poröse Innenseite der Form sind viele kleine Kügelchen entstanden die vorsichtig mit einem scharfen Meißel entfernt werden müssen (siehe Detail). Auch sind beim Einbetten des Wachmodells in die Form, trotz aller Vorkehrungen, immer noch Luftbläschen entstanden. Beispielsweise in den Ohren, Nasenlöchern oder Augenwinkeln (siehe Detail). Auch diese müssen vorsichtig weg gefräst werden und anschließend mit den Punzen an die übrige Oberfläche angepasst werden.

Schließlich wird der Kopf auf einen Metallstab geschweißt, der genau die Körperhöhe des portraitierten Menschen wiedergibt.

Ganz zum Schluss wird die Patina aufgebracht, durch die eine gleichmäßige Oberfläche entsteht und wodurch die überarbeiteten Stellen, die ja in hellem Bronze-Goldton herausstechen zum Verschwinden gebracht werden. Alles will man aber nicht abdecken, so dass die Oberfläche schön lebendig bleibt. Eine Kunst für sich, manchmal auch ein Geduldsspiel.

Zum Patinieren wird die Bronze mit einem Butangasbrenner erhitzt und anschließend mit der Patina behandelt. Ich verwende hier Schwefelleber, da dies die originale Gusshaut am besten trifft. Man kann aber auch grünliche, bräunliche oder schwarze Färbungen erreichen. Jede Gießerei hat ihr „Geheimrezept“, meist seit Generationen überliefert. Oftmals sind auch ziemlich scharfe Säuren mit drin.

Die Schwefelleber macht erst einen weißlichen Eindruck (hier zu sehen an einem „Hundekopf“) der aber verschwindet, wenn die Stelle gebürstet wird. Anschließend werden zu dunkle Stellen wieder aufgehellt oder nochmals getönt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Als letzter Schritt (hier ohne Bild) wird alles noch mit Bohnerwachs etwas zum Glänzen gebracht  … und  … „isch habe färtig“  😉