Portrait-Arbeit

Mein heutiges Update zeigt das Stadium von Kopf 4 nach der dritten Sitzung. Die Maße sind alle übernommen und mehrfach kontrolliert. Ich befinde mich mitten in der Individualisierungsphase.

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Als erstes habe ich mich ums Profil gekümmert, um dann, wie schon beschrieben, die beiden Gesichtshälften von vorne, unten, oben und von schräg hinten zu bearbeiten.

Wichtig ist festzuhalten, dass jeder einzelne Punkt des Gesichts beachtet werden muss. Man darf sich nie erlauben, summarisch zu arbeiten oder einen Teil wie den anderen zu wiederholen. Jeder einzelne Quadratzentimenter der Gesichtsoberfläche ist mit Auge und Gefühl gründlich zu erforschen und so subtil wie nur möglich zu erfassen.

Die Arbeit an Gesichts-„Hälften“ ist wichtig, da sie bei keinem Kopf genau symmetrisch sind. Sie sind nur mehr oder weniger symmetrisch. Bei vielen (Rechtshändern) ist z.B. auch die rechte Gesichtshälfte stärker ausgeprägt. Dies gilt nicht nur für die Muskulatur, auch für Kiefer, Schädelknochen oder Ohrgrößen. Die Unterschiede, am Ohr beispielsweise, können mehrere Millimeter ausmachen.

An diesem Kopf ist unter anderem die linke Gesichtshälfte deutlich tiefer als die rechte. D.h. der linke Gesichtsbogen zwischen Ohr und Mittellinie (die Mittellinie ist die mittige Profillinie, die von Kinn über Mund, Nase zwischen den Augenbrauen hindurch zur Stirn läuft) beschreibt einen größeren Weg, als der rechte. Anders ausgedrückt: der Gesichtsaufbau ist rechts steiler und stärker gekrümmt, links flacher und sanfter gekrümmt.

Man sieht solche Abweichungen besonders gut, wenn man den Kopf von vorne in starker Untersicht, also von unten nach oben betrachtet.

Neues von den Köpfen

Kopf 3 ist bald fertig, aber da ich momentan nicht weiter daran arbeiten kann, habe ich mit Kopf 4 begonnen. Dies sei hiermit dokumentiert, auch wenn ich mir mit lauter angefangenen Köpfen das Image ein wenig schädige 😉

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Genauso, wie ich mich über den ausdrucksstarken und hageren Kopf 3 freue, ist Kopf Nummer vier eine sehr interessante Persönlichkeit mit starkem breitem Schädelaufbau. Dies ist auch jetzt schon, nach der ersten Sitzung deutlich zu erahnen.

Und ja, im Hintergrund ist das Mittelmeer zu sehen. Wetter: vormittags strahlend sonnig und blauer Himmel, 30 Grad, Nachmittags bedeckt.

Dialog und Hintergrund

An dieser Stelle möchte ich auf einen Kommentar eingehen, der mich auf der Projektseite erreicht hat, den ich aber hier ausführlicher beantworten möchte und der daher einen eigenen Blogeintrag verdient.

Sebastian:

„Ich finde das Projekt ziemlich interessant, insbesondere den dokumentarischen Aspekt. Da das Projekt ja blogtechnisch begleitet und dokumentiert wird, fände ich ein paar weitere Hintergründe recht interessant…

z.B. wieso sollen es konkret 100 Köpfe werden? Gibt es für die Wahl der Anzahl einen besonderen Grund? Ich frage, weil die Zahl 100 so betont in Erscheinung tritt. Was genau hat es mit der Kathedrale des Monomythos auf sich?

Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg und Geduld für das Projekt.“

Hier meine Antwort:

Hallo Sebastian, ich freue mich über Deinen Kommentar und habe daher auch die Adresse Deines sehr interessanten Blogs hier mit veröffentlicht. Gerne gehe ich auf Deine Fragen ein:

Es werden 9×11 Menschen eines Typus portraitiert (das sind 99). Einer bleibt leer, das ist die Null, das Absolute, das Eine, die Leere. Weiteres in einem älteren Blogeintrag hier.

Die Zahl 100 ist ja, in unserem dekadischen Zahlensystem, eine „runde“ Zahl. Die Zahlenfolge (0), 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 kommt mit der 10 zum Abschluss und gleichzeitig beginnt dort der Übergang zur nächsten Dekade. Das setzt sich fort bis ins Unendliche. Jede dieser Zahlen, 10 genauso wie 100 oder 1.000 oder 100.000 oder 1.000.000 stellen immer den Abschluss eines Zyklus und den Beginn eines neuen Zyklus dar. Diese Zahlen sind somit natürliche Grenz-Zahlen. Zahlen, die sowohl dem abgeschlossenen Zyklus als auch dem neuen Zyklus zugerechnet werden können.

Das bedeutet, diese Zahlen stehen immer für einen Übergang und gleichzeitig für einen vollendeten Kreis, für eine abgeschlossene Einheit, ein Ganzes.

Damit repräsentiert auch die Zahl 100 das Ideal einer vollständigen, abgeschlossenen Einheit und gleichzeitig einer Grenze. Sie eignet sich also sehr gut dafür, als „pars pro toto“, als kleinere abgeschlossene Einheit, für die Gesamtheit aller Menschen zu stehen.

Die Zahl 100 liefert mir die ideale Repräsentanz – das ideale Symbol – für die Gesamtheit aller Menschen und für die Transzendenz, den Übergang, die Grenze.

Zehn Köpfe zu modellieren, wäre sicherlich zu klein gewesen, 1000 Köpfe würde wohl meine Lebensarbeitszeit übersteigen. Also eignet sich die Zahl 100 auch aus rein pragmatischen Erwägungen.

Deine zweite Frage zur Kathedrale des Monomythos verdient auch eine differenziertere Beantwortung. Dazu fehlt mir an dieser Stelle der Raum.

Daher nur kurz: die Kathedrale des Monomythos repräsentiert für mich den gesamten Lebensinhalt des Menschen. Das Grundmuster unserer Existenz, das sich in jedem Menschenleben wiederfindet und wiederholt.  Daher lebt es auch in jedem Mythos. Dieses Grundmuster ist in jeder Geschichte, die sich die Menschen erzählen, zu finden.

Die Kathedrale des Monomythos gibt diesem Grundmuster der Existenz eine konkrete architektonische und künstlerische Form. Die Geschichte aller Geschichten wird in einem skulpturalen Medium neu erzählt. Als Gesamtkunstwerk.

Memleben Krypta

In dieser Kathedrale gibt es einen Bauteil (eine architektonische Einheit), die für mich die Krypta darstellt. Eine Krypta ist eine Unterkirche, also eine Kirche unter dem darüber stehenden größeren Kirchenbau.

Bauhistorisch hat sich dieser Typus in Europa daraus entwickelt, dass die ersten Kirchen meist auf älteren keltischen Kultplätzen errichtet wurden. Diese wiederum auf noch viel älteren matriarchalen, prähistorischen Kultstätten. Wenn dann in späterer Zeit eine größere romanische Basilika errichtet wurde, wurde die alte Kirche „integriert“ oft in Form einer Krypta. Sie lag damit tiefer in der Erde, aber auch direkt im Zentrum der Kultstätte. Oft ist hier der „Genius Loci“ auch am stärksten spürbar. Die Energie ist hier am machtvollsten.

Später wurden die Krypten auch als Grablegen für die Stifter oder andere angesehene Personen oder für das Reliquiar genutzt. Sie sind somit auch „Schädelstatt“ geworden.

Daher sind für mich die 100 Köpfe in der Krypta, in der Schädelstatt angesiedelt. Im Kraftzentrum des heiligen Ortes.

Aus den Träumen dieser Köpfe entsteht die ganze Welt darum herum. Die Nornen, die unsere Schicksalsfäden spinnen, sind wir selbst. Das Gewebe unserer Welt entsteht in unseren Köpfen, aus unseren Gedanken. Da diese Welt aus der Transzendenz – aus den Gedanken, der universalen Intelligenz – geboren wird und da auch der Tod einen Übergang in diese Transzendenz darstellt, ist die Krypta für mich der Ort der Formung eines Lebens und des Übergangs zugleich.

In anderen Worten ein Ort, der die Entstehung und die Gestaltung eines Lebens, genauso wie den Übergang und die Grenze zu einem anderen Leben jenseits des materiellen Seins verkörpert.

Kopf 3 vierte Sitzung

Wie Ihr sehen könnt, werden die Gesichtszüge immer klarer. Es klärt sich auf, gewissermaßen. Sitzung drei, habe ich hier übersprungen. Die Ohren wurden versetzt, sie waren noch zu weit hinten und zu hoch. Einfach abschneiden und neu ansetzen. Bei Ton geht das leicht, anders als bei Gips.

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😉

Kopf 3 Präzisierung

Heute nur ein kurzes Update: die Ergebnisse bei Kopf 3 nach der zweiten Sitzung. Die Volumina sind präziser geworden, die Züge werden langsam individualisiert, die verschiedenen Winkel und Gesichtsflächen aufeinander abgestimmt.

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Kopf 3 begonnen …

Diesmal wird es keine so ausführliche Dokumentation der Arbeitsschritte geben wie bei Kopf 2. Die weiteren Schritte im Gussverfahren werdet Ihr im Detail weiter bei Kopf 2 lesen können. Die hier gezeigten Bilder dienen nur als Referenz und abschreckendes Beispiel 😉

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Ich habe letzte Woche noch Kopf 3 begonnen, dies sei hiermit dokumentiert. Die Bilder zeigen das Ergebnis der ersten Arbeitssitzung. Der Aufbau des Kopfrohlings ist gemacht sowie die wesentlichen Maße und Proportionen festgelegt.

Die grundsätzliche Position von Augen, Nase, Ohren, Kinn, Kiefer, Nacken sowie Hals und Schädelvolumen stimmt also schon. Vielleicht sieht das Ergebnis für die Augen eines Laien noch ungeschlacht und grob aus – was es ja auch ist – aber die Grundzüge sind schon vorhanden (Nicht erschrecken lieber Helmut, solltest Du das hier lesen 😉 ).

Ach ja, es wird nicht Salvador Dali! Auch wenn der angedeutete Schnurrbart das vermuten ließe. Diese kleine Zufälligkeit des Materialantrags habe ich nur deswegen nicht beseitigt, um Euch beim Raten auf die falsche Fährte zu locken … *grins*.